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Viele Ideen bei der Zukunftswerkstatt in Höfen

Artikel vom 13.10.2020

Mit dem Klimawandel und seinen Konsequenzen, mit Überlegungen zum Gegensteuern auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene sowie mit der Gestaltung der Zukunft in der Gemeinde Höfen und im Oberen Enztal befasste sich die vierstündige Zukunftswerkstatt "Klimawandel in Höfen - Wie wollen wir im Jahr 2050 zusammen leben?" am Samstagnachmittag in der Höfener Gemeindehalle mit der Moderation von Verena Lindacker (Karlsruhe). Initiiert wurde die Veranstaltung vom Verein "Menschen miteinander / Interkultureller Garten Oberes Enztal" mit seinem Vorstandsmitglied Hubertus Welt in Zusammenarbeit mit Bürgermeister Heiko Stieringer.

Auf die Thematik stimmten Impulsvorträge von Wolfgang Nießen (Gaggenau) mit seiner Professur an der Dualen Hochschule Baden Württemberg (DHBW) in Stuttgart, von Förster Martin Hauser (Enzklösterle) und von Luisa Koch (Enzklösterle) als Vorsitzende der Jungen Union im Kreis Calw ein. Bürgermeister Heiko Stieringer freute sich in seinem Grußwort zu Beginn des Nachmittags darüber, dass die Gemeinde Höfen mit einer solchen Veranstaltung eine gewisse Pilotfunktion einnehmen könne. Für die jetzige Generation gelte es, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Hubertus Welt konnte feststellen, hierzulande in den letzten Jahrzehnte von schlimmen Ereignissen verschont geblieben zu sein. Diese positive Entwicklung sei nachhaltig zu sichern. Weshalb man die Frage stellen müsse, was man persönlich dafür tun könne.

Konkret mit dem Klimawandel und damit auch mit der Klimaerwärmung befasste sich Wolfgang Nießen. Auf diese seien Wirbelstürme, Überschwemmungen und Dürre-Ereignisse zurückzuführen, und zwar mit einer Zunahme von35 Prozent in den vergangenen 30 Jahren. Im Zusammenhang damit stünden auch Nadel- und Blattverluste bei Fichten und Buchen sowie das Auftreten von Krankheitserreger übertragenden Insekten. Seiner Prognose zufolge sei bis zum Jahr 2050 eine Verdoppelung der Hitzetage im Sommer, eine Abnahme sommerlicher Niederschläge um zehn Prozent und eine Zunahme solcher im Winter um 35 Prozent zu erwarten. Die Folgen seien Engpässe in der Wasserversorgung und das Verschwinden gewisser Baumarten. Als mögliche Maßnahmen für ein Mehr an Klimaschutz erachtete er beispielsweise den Aufbau von Radwegenetzen, die Anlegung von Fahrradstraßen, die Förderung der Fotovoltaik und Solarthermie mit der Einrichtung von Solarparks und Bürger-Voltaikanlagen, die Nutzung von Grünschnitt auf kommunalen Grundstücken zur Erzeugung von Biogas und eine verstärkte Nutzung der Windenergie auch unter Einsatz von Micro-Windturbinen auf Dächern und auf öffentlichen Gebäuden. Als möglich erachtete er auch die Steuerung des Ressourcenverbrauchs bei der Herstellung und Gewinnung von Nahrungsmitteln beispielsweise mit einem höheren Anteil von Freilandnutzung in Verbindung mit weniger Anbauflächen in Treibhäusern.

Martin Hauser, seit 43 Jahren Förster und derzeitiger Wildtierbeauftragter des Forstamts Rastatt, hielt es für wahrscheinlich, dass sich die Tier- und Pflanzenwelt an den Klimawandel anpasse. Eine gewisse Verbesserung der Situation habe sich durch die Einführung von Filtern und Katalysatoren ergeben. Er erinnerte an die kürzlichen schlimmen Naturereignisse in Südfrankreich und in Italien und ging auf die Veränderungen im Verhalten von Zugvögeln ein, die im Zuge der Erwärmung teilweise hierzulande verbleiben oder im Frühjahr früher kämen. Geboten sei es, jetzt durch ein entsprechendes Verhalten Verantwortung für die Welt der Kinder und Enkel zu übernehmen.

Zu einem anderen und besseren Zusammenleben könne jeder Mensch und auch jede Kommune beitragen, war die Empfehlung von Luisa Koch. Dazu sei es notwendig, Ideen zu sammeln, diese zu diskutieren, entsprechende Netzwerke zu bilden, Nachhaltigkeit zu praktizieren und eigene Ressourcen umzusetzen mit dem Ziel, etwas bewegen und voneinander lernen zu wollen. Sie trat für eine Stärkung der Gesellschaft und des Vereinslebens sowie für eine intensivere Vermarktung regionaler Produkte ein und hielt eine Kooperation mit Kindergärten sowie eine Förderung von Naturparkschulen für wichtig.

In drei Gruppen befassten sich die Besucher sodann mit den Fragen "Was können wir zur Begrenzung der Erderwärmung tun? Persönlich / als Gemeinschaft / Kommune?" und "Wie sichern wir das friedliche Miteinander untereinander / mit neuen Mitbürgern / innen?" Mit den dazu erarbeiteten Antworten, Ideen und Vorstellungen befasste sich das Plenum in den folgenden fast eineinhalb Stunden. Den Anfang machte als Gruppensprecher Hubertus Welt mit einem Hinweis zur Achtsamkeit beim Autokauf hinsichtlich des Kraftstoffverbrauchs und zum Plastikeinsatz, mit einer stärkeren Wertung des Solareinsatzes beispielsweise im Denkmalschutz, mit einer Empfehlung zum Kauf regionaler Produkte mit entsprechenden Veröffentlichungen und mit der generellen Wahrung der Nachhaltigkeit, der ein höherer Rang einzuräumen sei. In weiteren Statements der Gruppensprecher ging es beispielsweise um die Einschränkung des Individualverkehrs im Zuge einer Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs im Rahmen eines entsprechenden Verkehrsmanagements im Oberen Enztal, um das Angebot von Mitfahrgelegenheiten und um die Müllreduzierung. Zu einem besseren Miteinander kamen Anregungen zu einer stärkeren Präsentation von Vereinsaktivitäten in den Kommunen wie etwa mit einer Vereinsmesse, mit dem Angebot von Begegnungs- und Integrationsaktivitäten und speziell in Tourismusgebieten zum Überdenken von Verkehrsströmen. Angeregt wurde die Einrichtung eines Wochenmarkts in Höfen im Kurpark oder auf dem Platz vor dem Kindergarten, der Aufbau von Regional-Automaten mit entsprechenden Angeboten und mit Möglichkeiten zum unverpackten Einkaufen. Anstelle von Neujahrsempfängen in Kommunen konnte sich Bürgermeister Stieringer jährliche Willkommensfeiern für Neubürger vorstellen. Zum Abschluss der Veranstaltung dankten er und Hubertus Welt den Besuchern für ihr kreatives Mitwirken. Beide und auch Besucher des Nachmittags konnten sich eine Folgeveranstaltung oder auch einen Arbeitskreis zur Umsetzung der entwickelten Ideen vorstellen, für den sogleich Interessierte geworben wurden.

Die Veranstaltung wurde von Mitgliedern des Höfener Musikvereins auf Spendenbasis bewirtet.

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